Freitag, 24. Juni 2011

DreiJahreneunMonate

Wieder ein Monat um. Unser Sohn ist nun 45 Monate alt.
Felix erfindet quasi täglich neue "Nein" Varianten. Der Erfindungsreichtum geht von Mimik über Gestik bis zum geänderten Tonfall. Auch körperliche Signale sowie die Sprache werden sehr energisch eingesetzt.
"Lass 'n Ruh, mag nicht, Margit!" mit wegschieben ihrer Hand bekam zum Beispiel die Logopädin zu hören, als er etwas nicht machen wollte. Wenn ihm ein Kind im Kindergarten zu nahe rückt, drückt er den ungebetenen Störenfried ebenfalls weg, nennt dessen Namen und sagt deutlich, dass er jetzt in Ruhe gelassen werden möchte. Das mitzuerleben hat mich sehr beruhigt, habe ich doch schon oft gehört, dass Kinder mit Down Syndrom Schwierigkeiten haben, Grenzen zu setzen. Das hat Felix ganz eindeutig nicht. ;-)

Teilweise kommen schon ganze richtige Sätze wie: "Papa zieht die Motorradstiefel an und fährt zu xy" Felix übt verschiedene Zeiten: "Nudeln, Tomatensauce mit Thunfisch heute geeßt"


Er kann auf Leitern klettern und kommt auch selber wieder runter. Er hält den Duschkopf beim Duschen selbst. Laufen sieht immer noch "komisch" aus, hat sich aber deutlich verbessert und ist als Laufen erkennbar. Ganz toll ist der neueste Fortschritt auf dem Trampolin, wo ihm schon 5-6 kleine Hüpferchen hintereinander gelingen.
Was uns deutlich auffällt in letzter Zeit ist, dass wenn Felix unabsichtlich etwas umwirft oder ihm etwas runterfällt, legt er jetzt ein ganz anderes Verhalten an den Tag als früher.
Begleitet von einem kurzen: "Hoppala!" oder:"runtergefallen!" seinerseits hebt er den Gegenstand entweder wieder auf oder er rückt ihn gerade. Das war vor einem halben Jahr noch nicht denkbar, es hätte höchstens einen noch weiteren Wurfreflex ausgelöst. In diesem "Vernunftsbereich" hat sich riesig viel getan. Er läuft auch nicht mehr ständig weg und reagiert gut darauf, wenn man ihm sagt, dass er stehen bleiben oder warten soll (vor allem, wenn er eine Erklärung dafür bekommt, warum er stehen bleiben soll). Auf der Strasse sagt er schon selbst:"Auto kommt" und bringt sich in Sicherheit auf den Strassenrand. Man kann sich auf all diese beschriebenen Dinge zwar nicht 100% verlassen, aber es ist ein grosser Schritt in die richtige Richtung und viel mehr als wir vor Kurzem noch erwartet haben.

Kopfzerbrechen macht uns eine Sache: Felix kaut seit etwa einem halben Jahr an seinen Fingernägeln. Er macht es um eine Wartezeit zu überbrücken, wenn er aufgeregt, unsicher oder besonders müde ist, beim Bücher anschauen. Manchmal kann man ihm einfach zur Ablenkung etwas anderes in die Hand oder in den Mund geben, beim Bücher vorlesen oder spielen bekommt er seine Trinkhalmflasche. Oft lässt er sich trotz allem nicht davon abhalten.
Was ganz genau dahinter steckt, wissen wir nicht. Oft hören wir, dass Nägel beissen ein Stress-Symptom sei, eine seelische Unausgeglichenheit. Man merkt jedenfalls deutlich, dass es einem Spannungsabbau dient. Ich habe gelesen, dass sein Alter typisch für den Beginn von Nägel beissen ist, dass man es sehr schwer wegbekommt und dass man nicht die Symptome "bekämpfen" soll. Nägel kauen ist ein unbewusster Vorgang und Schimpfen baut eher mehr Spannung und Schuldgefühle auf als es löst. Es sieht nicht nur unschön und unappetitlich aus, sondern stellt uns auch vor das Rätsel, warum er es macht.
Nach wie vor hat Felix auch einen schier unersättlichen Drang an den Fingern, an Sicherheitsgurten (Auto, Buggy,...), an Windelverschlüssen usw. zu lutschen und zu saugen. Wir finden einfach keine "gesunde, sinnvolle" Alternative zum abreagieren oder ausleben dieser offensichtlichen Reizsuche. Einen Kauschlauch zum Beispiel nimmt er für etwa 2 Sekunden in den Mund beißt einmal darauf und schmeisst ihn dann weg. Falls jemand einen guten Tipp hat, sind wir dankbar!

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallöchen,

vielleicht gibt es bei euch in der Apotheke auch den "Nagellack" gegen Fingerknabbern. Dieser schmeckt bitter und wird regelmäßig auf die Nägel gepinselt. Mich hat es als Kind nie davon abgehalten weiter zu kauen, weil ich es mir immer direkt wieder abgewaschen habe. Felix wird diesen Gedankensprung aber vielleich tnicht machen und es könnte helfen. Ich knabbere leider noch heute an den Nägeln, merke es meist auch nicht und wenn doch, weis ich nicht, warum ich es gemacht habe. Aber meine Fingernägel sind nicht total abgefressen, lediglich kurz, mit nur knapp 1mm weißem Schluss.
Ansonsten hört sich eine Entwicklung wunderbar an!

Liebe Grüße

Anonym hat gesagt…

Hallo,

wir hatten das mit dem Nägelkauen auch. Es hat! aber wieder aufgehört, und zwar relativ bald (ein halbes Jahr?). Es fiel ebenfalls ungefähr mit dem Kindergarteneinstieg zusammen und hatte mit Anspannung zu tun.
Geholfen hat es, die entsprechenden Sitautionen weitestgehend zu vermeiden und für viel Bewegung zu sorgen.
Außerdem tatsächlich Nagellack- allerdings kein bitterer, sondern SCHÖNER! Vielleicht ist das bei einem Jungen etwas unpassend, aber ich habe schon gehört, dass sie in dem Alter durchaus etwas dafür übrig haben ;-)

Liebe Grüße

Susanne

Anonym hat gesagt…

liebe maria,
ich lese sehr regelmäßig eure Felix-seite und immer mit freude, stolz (auch wenn es blöd klingt)euch persönlich zu kennen und diesmal scheint mir das nägelkau problem wichtig genug um wieder einmal einen kommentar zu versuchen.
also jakob hat auch (selbes alter damals) so intensiv an seinen nägeln gebissen, dass er oft blutete und trotz aller strategien und angebote nicht aufhören konnte. was schlagartig hilfe brachte und zwar bis heute (mindestens schon ein jahr also) waren globuli vom homöopathen (der allerdings schon sehr genau fragte, wann jakob beißt (bei ihm war viel angst, unsicherheit, druck im spiel).
vielleicht hat euer homöopath, der felix ja gut kennt, einen ähnlich guten griff.
jedenfalls liebe grüße von eva und jakob aus pyhra

Martin Wildam hat gesagt…

Das Nägelkauen hatte ich auch in der Volkschule - ich glaube sogar bis hin zum Gymnasium. Ich werde mal drüber nachdenken, wann und wie das bei mir aufgehört hat bzw warum ich das gemacht habe. - Gefühlsmäßig würde ich es stärker in Richtung Unsicherheit vermuten, als Streß (hängt natürlich beides irgendwie zusammen - Streß bringt Unsicherheit und umgekehrt).