Prick-Test
Auf Nachfrage bei Allergologen bekamen wir die Information, dass es bei sehr kleinen Kindern nicht sinnvoll sei zu testen, da sich eine Milchallergie im Laufe der Zeit geben könnte. Sehr viele Kinder haben die Allergie bis zum Schuleintritt abgelegt. Deshalb warteten wir bis jetzt und machten dann Mitte letzten des Jahres einen Prick-Test (Haut ritzen und das vermeintliche Allergen darauf tropfen), der negativ war. Das war schon mal gut, allerdings noch nicht 100% aussagkräftig, weil Felix ja so lange Milch-abstinent war, dass im Körper eventuell keine Antikörper mehr produziert wurden.
Provokation
Die derzeit einzige Sicherheit konnten wir daher nur mit einer "Kuhmilchprovokation" bekommen. Dafür wird man im Spital stationär aufgenommen und unter ärztlicher Aufsicht wird kontrolliert Kuhmilch verabreicht. Zuerst ganz wenig und dann in gesteigerten Mengen. Erst dann sieht man, ob der Körper noch schlecht darauf reagiert.
Wir haben lange hin und her überlegt, aber bei der Heftigkeit der Reaktion trauten wir uns nicht, so einen Versuch zu Hause selbst zu machen. Im Spital sagte man uns, dass man eine solche Reaktion gegebenenfalls eindämmen oder sogar stoppen könne.
Der Spitalsaufenthalt
Um dieses Kapitel endgültig abschliessen zu können, checkten wir also letzte Woche in der Allergieambulanz im AKH Wien ein.
Felix bekam einen intravenösen Zugang für den Notfall gelegt und wurde während der Provokation mit einem Monitor verkabelt, der Herz, Atmung und Sauerstoffversorgung des Blutes kontrollierte.
"verkabeltes" Nachmittagsschläfchen

Hätten wir detailliert gewusst, was da auf uns zukommt, hätten wir es wahrscheinlich nicht gemacht. Ich denke, dass die Ärzte bewusst nicht alles so genau vorher sagen...na ja jetzt hat er das und auch die Allergie hinter sich.
Mit den Kabeln und dem Zugang kam Felix wirklich toll zurecht, er musste fast 2 Tage im Spitalsbett bleiben, weil er verkabelt war. Und was wir auch nicht wussten war, dass er während der Provokation nichts zu essen bekommt, ausser Glukose über eine Infusion...damit das Ergebnis "rein" bleibt und nur die Milch getestet werden kann.
Ich habe dann mit den Ärzten vereinbart, dass wir am ersten Tag über Nacht nicht provozieren und Felix sein gewohntes Essen bekommt, am Morgen ganz früh ebenfalls sein Fläschchen kriegt. Danach habe ich gegen Mittag noch unabgesprochen 2 Bananen dazugeschummelt, um eine Infusion zu vermeiden.
Felix bekam in drei stündigen Abständen 3 mal Kuhmilch, beim letzten Mal 80 ml und zeigte keine Reaktion, ausser "mmh, das schmeckt super lecker!" ;-). Auf die letzte Gabe verzichteten wir und beschlossen, die Provokation abzubrechen, da das Ergebnis ziemlich eindeutig war und wir Felix keinesfalls quälen wollten. Ein gesundes Kind ins Spitalsbett zu verbannen, ist ja nicht unbedingt etwas, das man gerne macht.
Die Wende
Nach dem ersten Schrecken vom Zugang legen, verkabelt werden und sich auf die neue Situation einzulassen, hat es in der Nacht bei Felix wirklich "einen Schalter umgelegt". Neben uns lag ein frisch lungentransplantierter Junge, dem es nicht besonders gut ging und in der Nacht piepsten ständig Geräte und Krankenschwestern rissen uns aus dem Schlaf.
Nach dem dritten Mal, setzte sich Felix auf, wenn es piepste und sagte völlig abgeklärt: "Ich warte auf die Krankenschwester, die kommt gleich und dreht das ab". Als die Schwester fertig war: "Ich leg mich wieder hin". Ich war total perplex, wie er da drüber stand, die Situation akzeptierte und es sogar spannend fand.
das Wiedersehen mit unserer lieben Physiotherapeutin, die Felix die Zeit des Wartens mit Spielen vertrieb
Er kam auch richtig gefestigt und gereift aus dem Spital heraus. Sein buntes Pflaster, das über der kleinen Einstichstelle des "Venenflows" war, trug er vier Tage voller Stolz und zeigte es bei jeder Gelegenheit her: "Hab ich von der Krankenschwester gekriegt". Felix ist sehr stolz darauf, wie toll er das gemeistert hat. Vielleicht konnte er damit auch ein bisschen den Spitalsaufenthalt seiner Herzoperation aufarbeiten, die er mit seinen damals drei Monaten ja noch keinesfalls bewusst erlebt hat. Wer weiss...


1 Kommentar:
Gut zu wissen, dass sich sowas legen kann.
Ich staune auch immer, wie gelassen die Kinder solche Aufenthalte meistern, während die Eltern schlaflose Nächte haben.
Marlene war jetzt mit 2 1/2 wieder zur Herz-OP in Berlin, wo es kein Rooming-In gibt - und sie hat das auch ganz toll gemeistert. Jetzt müssen wir jeden Tag den gerinnungswert zu Hause selbst messen. Wir schwitzen dabei und Marlene kommt schon an und zeigt uns den Finger, an dem wir sie pieksen sollen...
Sonnige Grüße aus Berlin,
Alexandra mit Marlene und dem kleinen Bruder Gustav
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